IG Metall-Vorstand empfiehlt vorgezogene Verhandlungen

Tarif | Metall-Elektro 2020 - Vorstandsbeschluss Forderungsempfehlung

Der Vorstand der IG Metall hat in seiner Klausur am 3. und 4. Februar über die Tarifbewegung beraten und empfiehlt den Tarifkommissionen, mit den Arbeitgeberverbänden vorgezogene Tarifverhandlungen über ein "Zukunftspaket" aufzunehmen.

Der Vorstand der IG Metall empfiehlt den regionalen Tarifkommissionen der Metall- und Elektroindustrie, zügig mit den regionalen Arbeitgeberverbänden Sondierungsgespräche über ein "Zukunftspaket" aufzunehmen. Das hat der Vorstand in seiner Klausur am 3. und 4. Februar beschlossen. Gesamtmetall und die regionalen Arbeitgeberverbände hatten sich zuvor positiv zu dem von der IG Metall vorgeschlagenen Weg geäußert.

 

"Wir erwarten allerdings, dass die Arbeitgeberverbände ihre Bereitschaft erklären, auf ihre Mitgliedsfirmen einzuwirken, während des Moratoriums auf die einseitige Ankündigung von Personalabbaumaßnahmen, Produktverlagerungen und Standortschließungen zu verzichten", sagte Jörg Hofmann, Erster Vorsitzender der IG Metall, am Dienstag in Frankfurt.

 

"Die Beschäftigten der Metall- und Elektroindustrie verlangen Sicherheit im digitalen und ökologischen Wandel. Auch für den gesellschaftlichen Zusammenhalt braucht es nachhaltige Perspektiven für die Menschen – und zwar jetzt! In den Betrieben soll deshalb nun das Feld bereitet werden für Zukunftstarifverträge, die Investitions- und Produktzusagen, Qualifizierung und den Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen sichern", sagte Jörg Hofmann. 

 

Zukunftspaket für einen fairen Wandel

Die IG Metall will konkrete Investitions- und Produktionsperspektiven für Standorte und Beschäftigte erreichen. Deshalb sollen sich die Arbeitgeber verpflichten, auf Verlangen der IG Metall betriebliche Zukunftstarifverträge zu verhandeln. In den betrieblichen Zukunftstarifverträgen sollen konkrete Investitions- und Produktionsperspektiven, Maßnahmen zur Personalentwicklung und zur Aus- und Weiterbildung sowie der Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen geregelt

werden. 

 

Als Grundlage für die betrieblichen Zukunftstarifverträge will die IG Metall in regionalen Zukunftspaketen Rahmenbedingungen zur Beschäftigungssicherung verankern. Für Betriebe mit Unterauslastung einzelner Beschäftigtengruppen will die IG Metall vorrangig eine Reduzierung des Arbeitsvolumens ohne Entgeltabsenkung durchsetzen. Etwa durch die Nutzung von Arbeitszeitkonten, Kurzarbeit mit Aufzahlung und Arbeitszeitabsenkung mit Teillohnausgleich. Es soll zudem den Anspruch auf geförderte Qualifizierung für alle geben. Ziel ist es auch, den Anteil der Beschäftigten, die über Altersteilzeit und andere Modelle des flexiblen Übergangs früher in Rente gehen können, zu erhöhen.

 

Weitere Themen in der Forderungsdebatte

In der Diskussion sind für diese Tarifrunde aber noch weitere Forderungen und Themen. So soll ein Nachhaltigkeits-Bonus für IG Metall-Mitglieder als kontinuierlicher, tarifdynamischer Festbetrag vereinbart werden. Von hoher Bedeutung ist es, in den östlichen Tarifgebieten die Angleichung der Arbeitszeit an den Westen anzugehen.

 

Breite Übereinstimmung in den Tarifkommissionen der IG Metall besteht bei der Notwendigkeit, auch für die dual Studierenden tarifvertragliche Regelungen ähnlich der für Auszubildende durchzusetzen.

 

Ein weiteres Thema in der Diskussion ist die betriebliche Altersvorsorge. So sollen die vom Arbeitgeber eingesparten Sozialversicherungsabgaben bei der Entgeltumwandlung den Beschäftigten zu Gute kommen. 

 

Kaufkraft muss gestärkt werden

Für die bevorstehenden Tarifverhandlungen strebt die IG Metall eine Entgelterhöhung an, erhebt aber keine bezifferte Forderung. Der Vorstand der IG Metall empfiehlt den regionalen Tarifkommissionen bei der Erhöhung der Entgelte und Ausbildungsvergütungen weiter den Weg der Stärkung der Kaufkraft der Beschäftigten zu verfolgen. Das soll auch der Konjunktur zu Gute kommen. Der private Konsum wird auch in diesem Jahr der größte Wachstumsfaktor für die

bundesdeutsche Konjunktur sein.  

 

Der Forderung einzelner Arbeitgeberverbände nach einem Einfrieren der Entgelte erteilte der IG Metall-Vorstand eine klare Absage. 

 

Diskussion in Betrieben und Tarifkommissionen

In vielen Betrieben stehen die Entscheidungen an, wie die Zukunft gestaltet werden kann. In diesen Zeiten braucht es für die Beschäftigten und den gesellschaftlichen Zusammenhalt Sicherheit und Perspektiven für die Menschen. Deshalb will die IG Metall die Transformation und die Zukunft mitgestalten. 

 

Deshalb hatte der IG Metall-Vorstand am 24. Januar, auf Grundlage der Debatten in den gewählten regionalen Tarifkommissionen am 16. Januar, den Arbeitgebern das Angebot des Moratoriums einseitiger betrieblicher Schritte, verbunden mit vorgezogenen Tarifverhandlungen gemacht.

 

Ziel der IG Metall ist es, möglichst schnell Beschäftigung und Zukunft abzusichern. Denn die Uhr tickt. Die Konjunktur hat sich in den letzten Monaten leicht abgekühlt und die Metall- und Elektroindustrie steht vor großen Herausforderungen durch die Transformation – den digitalen und ökologischen Wandel. Zudem nutzen viele Unternehmen die Situation, um zu sparen und ihre Gewinne zu maximieren. Ein Großteil der Unternehmen plant Personalabbau. Allein in der Auto- und Zuliefererindustrie sind dadurch 50.000 Arbeitsplätze bedroht.

 

In den nächsten Wochen wird die IG Metall in den Betrieben und in den Tarifkommissionen detailliert über konkrete Verhandlungsziele diskutieren. Auch die Beschäftigten in den Betrieben sollen ihr Votum abgeben.

 

Am 20. Februar beschließen die Tarifkommissionen ihre Forderungsempfehlung und die Kündigung der Tarifverträge. Am 26. Februar entscheidet der IG Metall-Vorstand endgültig über die Forderung.